Rezension: “Träume, die ich uns stehle” von Lily Oliver

Inhalt:

Lara kann nicht aufhören zu reden. Ein Zwang treibt die an Amnesie leidende junge Frau dazu, ihre Erinnerungslücken mit Worten zu füllen. Längst hört ihr keiner mehr zu, außer in den Therapiestunden, die sie als Patientin der Psychiatrie bekommt. Bis sie Thomas findet. Lara weiß, es ist falsch, ihre Verzweiflung über ihre Amnesie auf ihn abzuladen, denn Thomas liegt im Koma. Dennoch schleicht sie sich immer wieder zu ihm und bemerkt bald, dass er auf ihre Stimme reagiert. Lara beschließt, Thomas eine Geschichte zu erzählen: eine Liebesgeschichte zwischen ihr und ihm, die bald für beide realer wird als ihr Dasein im Krankenhaus. Ein Traum von Liebe, an den sich beide klammern und der die Kraft hätte, nicht nur Thomas aus der Dunkelheit zu holen, sondern auch Lara. Doch beide ahnen nicht, was für eine erschütternde Wahrheit in den Tiefen von Laras Geschichte auf sie wartet …
Klappenbroschur, Knaur TB
02.11.2017, 400 S.
ISBN: 978-3-426-51897-7
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€ 9,99
E-BOOK (€9,99)

Cover, Klappentext und Buchinfo mit freundlicher Genehmigung des Verlags
Quellenangabe

meine Meinung:

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll bei dieser Rezension, ob ich die richtigen Worte finde, die das beschreiben können, was ich beim Lesen dieses Buches empfunden habe.
Die Geschichte verläuft in zwei Erzählperspektiven – der von Lara und der von Thomas. Obwohl die Schilderungen aus Thomas´ Sicht nicht so zahlreich und auch nicht so ausführlich sind, habe ich doch immer wieder schon darauf gewartet, das nächste Mal von ihm zu lesen – denn seine Sicht der Ereignisse erfolgt mithilfe seiner Gedanken und Gefühle im Koma – es zeigt, dass Komapatienten oft sehr viel mehr von ihrer Umgebung mitbekommen, als man glauben würde, doch Lara dringt irgendwie zu ihm durch, ihre Erzählungen verweben sich mit seinen Gedanken und Erinnerungen.
Lara hingegen erzählt und spricht, um ihre Erinnerungslücken zu füllen – je mehr sie vergessen hat, je mehr sie sich nicht erinnern will, umso schneller und lauter spricht sie. Man erfährt in Bruchstücken von ihrer Vergangenheit, und das Sprechen mit Thomas hilft ihr, sich darauf zu konzentrieren, ihre Worte in sich zu behalten.
Ich muss gestehen, ich habe etwa 150 Seiten gebraucht, um in die Geschichte so richtig hineinzufinden, denn anfangs ist es etwas verwirrend – weil sich Laras und Thomas´ Gedanken mit der Gegenwart vermischen, weil ich manchmal nicht immer gleich wusste, was Erzählung und was Erinnerung ist. Doch dann hat mich die Handlung so richtig gepackt – sie verläuft dann immer mehr in der Gegenwart, und langsam erfährt man von Laras Vergangenheit, was mit ihr passiert ist und auch, wie sie versucht, ihren unkontrollierten Redeschwall unter Kontrolle zu bringen.
Lara mochte ich unheimlich gerne. Machte sie anfangs noch den Eindruck eines unsicheren jungen Mädchens auf mich, entwickelt sie sich im Lauf  der Geschichte unheimlich weiter. Sie lernt, ihre Krankheit in Griff zu bekommen, und vor allem lernt sie, ihre Vergangenheit zu bewältigen.
Die Szenen, in denen sie bei Thomas ist, haben mich unheimlich berührt – man spürt mit, wie sehr er auf sie anspricht und wie sie ihm hilft, langsam an die Oberfläche zu kommen.
Das Buch hat gegen Ende einen Twist in der Handlung, den ich absolut nicht erwartet hatte, und der es dann so richtig spannend gemacht hat.
Es gibt einzige Szenen, bei denen ich Taschentücher gebraucht habe. Vor allem der Epilog hat mich sehr berührt, und er hat das Buch einfach perfekt beendet.
Fazit: Die Autorin hat es geschafft, nach “Die Tage, die ich dir verspreche” ein weiteres Buch vorzulegen, das fesselt und den Leser nicht loslässt. Es ist emotional, aufwühlend, spannend und mit einem Schreibstil, der direkt ins Herz geht. Ein ruhiges Buch mit ganz viel Kraft und ernstem Hintergrund, das mit viel Gefühl noch lange im Kopf bleibt. Ich vergebe eine klare Leseempfehlung.
Ich danke dem Verlag Droemer-Knaur und der Autorin für das Leseexemplar.

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